Erstellung der Geologischen Grundkarte des Nationalparks Brijuni im Maßstab 1:25.000
In Zusammenarbeit mit dem Kroatischen Geologischen Institut erarbeitete der Nationalpark Brijuni in den Jahren 2024 und 2025 die Geologische Grundkarte des Nationalparks im Maßstab 1:25.000. Damit wurde der Archipel erstmals vollständig und detailliert kartiert. Frühere Untersuchungen basierten auf heute veralteten Methoden oder erfassten nur Teile des Archipels (beispielsweise die Insel Veli Brijun).
Die geologische Karte des Nationalparks Brijuni liefert zahlreiche wichtige Informationen für die Raumplanung, die Durchführung von Bauarbeiten, fachliche und wissenschaftliche Untersuchungen, die Verbreitung geologischer Materialien und Erscheinungen an der Oberfläche sowie für Bildungs- und Vermittlungszwecke. Die Karte wird als Grundlage für weitere Forschungen zu fossilen Dinosaurierspuren und anderen geologischen sowie paläontologischen Erscheinungen dienen. Darüber hinaus kann sie zu spezialisierten Karten weiterentwickelt werden, etwa zu geomorphologischen Karten, Karten speläologischer Objekte oder anderen thematischen Darstellungen.
Die in der Karte enthaltenen Informationen sind auch für wissenschaftliche Disziplinen außerhalb der Geologie von großem Nutzen und werden das Management des Nationalparks verbessern, insbesondere bei der Planung und Durchführung von Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.
Insgesamt wurden acht Gesteinseinheiten unterschieden – drei Einheiten aus der Kreidezeit und fünf Einheiten aus dem jüngsten geologischen Zeitabschnitt, dem Quartär.
Die Gesteine des Brijuni-Archipels entstanden während der Kreidezeit sowie im Quartär, der geologischen Periode, in der wir heute leben. Die Kreidegesteine wurden vor mehr als 125 Millionen Jahren abgelagert, als dieses Gebiet Teil einer ausgedehnten Küstenlandschaft eines flachen, warmen Meeres mit tropischen Lagunen war. In dieser Umgebung lebten zahlreiche Meeresorganismen, während sich zeitweise auch andere Tiere, darunter Dinosaurier, über die Küstenebenen bewegten. Ihre erhaltenen fossilen Fußspuren belegen eindeutig, dass diese großen Reptilien im Gebiet des heutigen Brijuni-Archipels lebten und umherzogen.
Kreidezeitliche Einheiten:
Einheit „Mali Brijun“ – etwa 125 Millionen Jahre alt
Die ältesten Gesteine des Archipels gehören zur geologischen Einheit mit der informellen Bezeichnung „Mali Brijun“. Sie bilden einen großen Teil des Archipels: den zentralen und östlichen Teil der Insel Veli Brijun, die gesamte Insel Mali Brijun sowie mehrere kleinere Inselchen wie Gaz, Obljak, Supin und Supinić.
Sie entstanden vor etwa 125 Millionen Jahren in einer flachen Meeresumgebung, die reich an Mikroorganismen wie Cyanobakterien und Algen war. Deren Aktivität führte zur Bildung geschichteter Strukturen, die als Stromatolithen bekannt sind und heute noch in den Gesteinen sichtbar sind. Die schönsten Beispiele befinden sich auf der Insel Mali Brijun entlang des Lehrpfades „Kamen-most“ („Steinbrücke“) sowie zwischen Kap Hlibine und der Bucht Črnika.
In diesen Ablagerungen blieben auch Spuren ehemaliger Küstenlandschaften erhalten, darunter durch Wellen erzeugte Sedimentstrukturen (Wellenrippeln), Trockenrisse im Schlamm sowie fossile Dinosaurierfußspuren, beispielsweise im Bereich des Dino-Parks beim Safari-Park.
Einheit „Kanfanar“ – der berühmte „Istrische Gelbstein“
Die folgenden Gesteinsschichten entstanden vor etwa 120 Millionen Jahren. Diese geologische Einheit ist für eine Kalksteinart bekannt, die als „Istrischer Gelbstein“ bezeichnet wird und zu den wertvollsten Naturwerksteinen Istriens zählt.
Dieser Stein wird bereits seit der Antike verwendet. Auf Brijuni wurde er insbesondere auf der Insel Sveti Jerolim abgebaut, wo noch heute die Überreste alter Steinbrüche sichtbar sind.
Die Gesteine sind hellgelb bis bräunlich gefärbt und enthalten zahlreiche Überreste ehemaliger Meeresorganismen, vor allem Algen, die in Dünnschliffen unter dem Mikroskop erkennbar sind. Solche Fossilgemeinschaften sind besonders charakteristisch für diesen Zeitabschnitt. Im Gebiet des Nationalparks treten diese Gesteine in kleineren Zonen auf Veli Brijun sowie auf den Inselchen Sveti Marko und Sveti Jerolim auf.
Der obere Abschnitt der Kanfanar-Einheit ist durch verstärkte Ablagerungen toniger Sedimente gekennzeichnet, was auf flachere Ablagerungsräume und eine allmähliche Hebung des Landes über den Meeresspiegel hinweist.
Einheit „Crna“ – Umweltveränderungen vor etwa 110 Millionen Jahren
Die jüngsten Kreidegesteine auf Brijuni gehören zur Einheit „Crna“, benannt nach einem Fundort auf der Insel Cres, wo sie erstmals beschrieben wurde.
Diese Gesteine entstanden nach einer Phase intensiver Landhebung, auf die ein weltweiter Meeresspiegelanstieg (marine Transgression) folgte. Dadurch wurden ehemals trockene Landflächen erneut zu Küsten- und Flachwasserbereichen mit einer etwas veränderten Fossilgemeinschaft.
Unter den Mikrofossilien fällt insbesondere die große Häufigkeit von Foraminiferen auf, die in den älteren Einheiten deutlich seltener vorkommen. Zu den Makrofossilien zählen Ansammlungen verschiedener wirbelloser Tiere wie Schnecken der Gattung Nerinea, andere Gastropoden, Muscheln sowie stellenweise frühe Rudisten.
Diese Fossilansammlungen stellen sogenannte Fleckenriffe (Patch Reefs) dar – kleine, isolierte Riffe auf relativ ebenem Meeresboden. Die Bezeichnung leitet sich von ihrem Erscheinungsbild auf geologischen Karten ab, wo sie wie verstreute „Flecken“ oder Inseln aus Riffmaterial in Lagunen oder Flachmeeren wirken. Neben diesen Riffen treten auch bioklastische Sandbänke aus ähnlichem fossilem Material auf.
Wie in der Mali-Brijun-Einheit kommen auch hier Wellenrippeln vor, jedoch in deutlich größeren Dimensionen.
Die Crna-Einheit zeichnet sich außerdem durch eine außergewöhnlich hohe Dichte fossiler Dinosaurierspuren aus. Von den insgesamt neun bekannten Dinosaurier-Fundstellen im Nationalpark liegen acht innerhalb dieser Einheit.
Einer der besten und repräsentativsten Aufschlüsse dieser Gesteine auf Veli Brijun befindet sich entlang des Lehrpfades Zelenikovac auf der gleichnamigen Halbinsel.
Quartäre Ablagerungen
Unter den jüngeren quartären Ablagerungen wurden fünf verschiedene Boden- und Sedimenttypen unterschieden:
- Knochenbrekzien
- Rotbraune Böden
- Sumpfsedimente
- Meeresstrände und Küstenablagerungen
- Anthropogene Ablagerungen
Knochenbrekzien kommen an der südöstlichen Küste der Halbinsel Zelenikovac vor. Es handelt sich um Sedimentgesteine mit Einschlüssen von Tierknochen, wahrscheinlich von Säugetieren des Pleistozäns. Sie entstanden nach der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren.
Rotbraune Böden stellen den vorherrschenden Bodentyp des Brijuni-Archipels dar. Sie sind besonders weit verbreitet auf Veli Brijun und erstrecken sich vom Norden der Insel bis zur Halbinsel Peneda im Süden. Diese Böden bestehen aus feinkörnigem, tonreichem Material und entstanden relativ spät im Holozän.
Meeresstrände und Küstenablagerungen bestehen aus Kies, Gesteinsblöcken und Sand, der auch Fossilien kleiner Organismen enthält. Teilweise finden sich darin auch vom Menschen aufgeschüttete Materialien.
Anthropogene Ablagerungen belegen den starken Einfluss des Menschen auf die Brijuni-Inseln im Laufe der Geschichte. Dazu gehören Steinbrüche, Kalköfen, archäologische Fundstätten, vorgeschichtliche Burganlagen (Gradinen), Golfplätze, militärische Anlagen und zahlreiche weitere Bauwerke.
Geologische Grundkarte des Nationalparks Brijuni, Maßstab 1:25.000
Autoren der Karte:
V. Brčić, D. Fuček, D. Palenik, M. Budić, T. Kurečić, L. Wacha, M. Špelić, I. Mišur (2025), Abteilung für Geologie, Kroatisches Geologisches Institut, Zagreb.